Alles sicher.

Liebe Qualitätsjournalisten, ich erwarte ja gar nicht in jeder Eilmeldung tiefschürfenste Recherche. Auch wenn irgendwo in Kasachstan ein Becher Kefir umkippt, bin ich gerne damit einverstanden, wenn berichtet wird, daß die dortigen "Sicherheitskräfte" keine Gefahr darin sehen. Das kann man, aus der Entfernung betrachtet, oft nicht genauer darstellen.

Aber wenn in Berlin Autos angesteckt werden oder vermutliche Bombenbastler Material einkaufen und auf Papier, online oder, wie eben im Radio, davon gefaselt wird, daß ihr eure Informationen aus [[Sicherheitskreis]]en habt oder [[Sicherheitskraft|Sicherheitskräfte]] einschreiten oder [[Sicherheitsbehörde]]n derzeit keine weiteren Informationen herausrücken, dann frage ich mich, was hier mit der Sprache passiert.

Oder wißt ihr nicht, mit wem ihr gerade gesprochen habt?

Spaß mit der Post

Am Abend des 17.5.2011, es war ein Dienstag, fand ich im Briefkasten das freundliche DHL-Kärtchen "Ihre Sendung ist da!".

Nur nicht hier. Abholung am folgenden Tag ab 8:30 in der Hauptpost. Gut, gut. Nun bin ich berufstätig und eingerechnet der Fahrzeiten unter der Woche genau dann unterwegs, wenn die Post geöffnet hat. Macht aber nichts, sowas wird ja sieben Werktage aufbewahrt.

Freitags dann am frühen Nachmittag zur Post, Gebühren auf dem naheliegenden Privatparkplatz bezahlt (die Post liegt an einer Fußgängerzone und hat keine eigenen Stellplätze), frohen Muts die erstaunlich kurze Warteschlange am Schalter aufgesucht, gewartet, drangekommen, Karte vorgelegt. Der freundliche Mitarbeiter verschwindet mit dem Kärtchen im Hinterzimmer und... nun, es dauert eine Weile. Und noch etwas länger. Es beschleicht mich ein ungutes Gefühl, sowas hatte ich doch schon mal vor Jahren. Nach gefühlten 10 Minuten kommt meine Abholkarte mit dem Mitarbeiter dran wieder zum Vorschein: "Mh, wissen Sie, was das für eine Sendung sein könnte?" - klar, es war ein Kleinteil, per Amazon Marketplace bestellt. Also vermutlich in einem dieser flachen Pappschuber oder in einem dicken Polsterumschlag vertütet.

Der Mitarbeiter entschwindet erneut in den Katakomben, man vernimmt Geraschel, leichtes Gepolter, die Warteschlange hinter mir prosperiert. Der schon etwas verzweifelt dreinblickender Mitarbeiter, erstaunlicherweise weder staubbedeckt noch mit Spinnweben behangen, erscheint wieder, öffnet im Schalterraum Türen, Schubladen, Schränkchen, Klappen - erstaunlich wieviele Verstecke es in so einer Postfiliale gibt.

Nachdem dann auch die Suche unter der Bedientheke von Erfolg verschont wurde, bleibt dem Mitarbeiter nur noch, sich zu entschuldigen, Sendung ist nicht auffindbar, er schiebt ein Kärtchen mit einer kostenlosen Hotline-Nummer rüber, er kann nichts mehr machenm, weg ist weg, tut ihm leid...

Nun gut, unverrichteter Dinge heimgefahren.

Da das Wochenende schon verplant war, dann erst am folgenden Montag, mithin am 23.5.2011 versucht, die Hotline anzurufen. Da braucht man schon Geduld, dachte ich so. Daß aber mehrere Anrufversuche stets damit endeten, im Telefonhörer absolut nichts außer etwas Knacken und Rauschen zu hören, hatte ich in der Form nicht erwartet. Kein Rufton, kein Warteschleifengedudel, kein Sprechautomat, einfach - NICHTS. Ok, ich gehe ja, s.o., einer Arbeit nach und kann in der 4ma nicht stundenlang privat am Telerohr hängen. Also das DHL-Kontaktformular im Indernett aufgesucht, Reklamationen/Beschwerden angeklickt und den Fall in dürren Sätzen einem unbekannten virtuellen Gegenüber geschildert.

Ansonsten eigentlich die 12,20 € abgeschrieben, war ja kein versichertes Paket.

Überraschenderweise liegt am 24.5.2011 eine Mail im Postfach: Im Wesentlichen bestehend aus einer Entschuldigung, dem Hinweis, daß über Sendungen solcher Art keine Aufzeichnungen erstellt werden und daß man mein Anliegen an die "zuständige Abteilung" weitergebe.
Mit freundlichen Grüßen - *krakel* - Kundenservice BRIEF.

Ja, liebe DHL, ich hatte die Sendung bereits abgeschrieben.

Donnerstag, 26.5.2011, nach Feierabend: Etwas Gelbes schimmert im Briefkasten. Nix bei gedacht, ich hatte noch was anderes bestellt, das werden dann wohl die Supermagnete sein.

Jau, eine Abholkarte. Datum 26.5. Ihre Sendung liegt in $Filiale und kann am nächsten Tag ab 9:00 dort abgeholt werden. Und noch eine Abholkarte. Datum 26.5. WTF? Ihre Sendung liegt in $Filiale und kann am nächsten Tag ab 8:30 dort abgeholt werden. Und ein handschriftlicher Zusatz drauf: "Sendung (amazon) liegt am Schalter! (17.5.)"

Da hüpft das Herz, es kann ja mal was schiefgehen, aber letztlich ist doch Verlaß, DHL gut, Post gut, bla foo....

Heute nammittach dann zur Hauptpost, Gebühren auf dem naheliegenden Privatparkplatz bezahlt, frohen Muts die erstaunlich kurze Warteschlange am Schalter aufgesucht, gewartet, drangekommen, zwei Karten vorgelegt. Die freundliche Mitarbeiterin verschwindet mit den beiden Kärtchen im Hinterzimmer und... nun, es dauert eine Weile. Und noch etwas länger. Es beschleicht mich ein ungutes Gefühl...

Nach gefühlten <hier eine Zigarettenpausenlänge o.ä. einsetzen> Minuten eine etwas verwirrt dreinblickende Mitarbeiterin, die ein Paket mit nach vorne, aber nicht zu mir bringt, sondern stattdessen mit einem anderen freundlichen Mitarbeiter konferiert. Es ergeben sich ratlose Blicke, es werden Türen, Klappen, Körbe untersucht...

Der dritte anwesende freundliche Mitarbeiter schaltet sich ein, Unnas Hauptpost in Aufruhr. "ja, den Namen habe ich heute morgen doch schon gesehen" "Ja, das war von Amazon", "ja, ich habe extra 'Verlängerung' draufgeschrieben", "Ja, wo isses den nu" "ja, das muß trotzdem zurückgegangen sein, lag ja schon über eine Woche..."

Nun, die freundliche Mitarbeiterin hat mir dann unter zahllosen Entschuldigungen doch noch zumindest das eine Paket übergeben und es glücklicherweise nicht auch noch versteckt.

Freie Bilder, freie Lizenzen...

Per Wikimail trudelte die tage mal wieder eine Anfrage wegen der Nachnutzung eines meiner Fotos ein. Ohne Anrede und in etwas holpriger, teppfihlerbehafteter Schreibe wurde um Genehmigung zur Verwendung auf einer privaten, nichtkommerziellen Website nachgesucht, verbunden mit der Bitte um schnelle Antwort, damit die Seite zügig online gehen könne.

Nun hatte ich das nicht unmittelbar beantwortet, sondern etwas verbummelt. Gestern abend fiel es mir wieder ein, oops, schnell die Standardantwort (sinngemäß:  "Die Verwendung aller Medien auf commons ist für jede beliebige Nachnutzung im Rahmen der angegebenen Lizenzen frei. MfG...") eingetippert, 22:47 an die (privat aussehende) Reply-Adresse abgeschickt und eigentlich direkt wieder vergessen.

Stutzig machte mich erst die mit dem Zeitstempel 23:37 eintreffende Lesebestätigung:

Reporting-UA: anwaeltehaus.net; Microsoft Office Outlook 11
Final-Recipient: rfc822;ruether@anwaeltehaus.net
Original-Message-ID:
Disposition: manual-action/MDN-sent-manually; displayed

Hm.

Erst jetzt habe ich mir mal die private Website angeschaut, und siehe da: Das Bild war schon drin. Da war aber jemand entweder sehr fix, meine ihm gar nicht vorliegende, von den auf commons angegebenen Lizenzen abweichende Genehmigung inklusive Nachbearbeitung umzusetzen, oder er hat meine Antwort oder irgendwelche Erläuterungen, was die korrekte Nachnutzung angeht, gar nicht erst abgewartet.

Alles in allem nicht weiter tragisch, dieser Lizenzkram auf commons ist für Laien tatsächlich nicht einfach durchschaubar , aber sollte man nicht von einer nicht ganz kleinen Anwaltsgemeinschaft erwarten können, daß mindestens einer dort in der Lage ist, einen Lizenzbaustein sinnentnehmend lesen zu können?

Nachtrag 2011-07-10: Nachdem gulli.com derzeit ganz offensichtlich auf der Suche nach dem Skandal ist, ein Tip für die Redaktion: Die neue Bildersuche bei google findet für beinahe jedes halbwegs brauchbare Foto aus commons mühelos einen Schwung Nachnutzungen, wobei außerhalb der Wikipediawelt nur in den wenigsten Fällen eine auch nur näherungsweise korrekte Lizensierung anzutreffen ist. Das wäre doch auch mal eine Reportage wert.

Google Streetview und die Nebenwirkungen

Wiki Loves Monuments ist angeschoben. Nun knipse ich hier in der Gegend für wikipedia schon seit längerer Zeit bemerkenswerte Gebäude, anfangs ohne überhaupt einen Plan zu haben, ob die Objekte in irgendwelchen Schutzlisten erfaßt sind oder nicht.

Irgendwann 2009 baute ich dann meine erste Denkmalliste , nachdem ich feststellte, daß schon ein ganzer Schwung passender Bilder auf der Festplatte lagen. Diese Listenbebilderung macht durchaus Spaß, man kommt rum, lernt "Ecken" kennen, an denen man jahrelang vorübergefahren ist, ohne zu ahnen, welche "Schätzchen" dort verborgen sind, nebenbei fallen weitere Bilder ab, die für Wikipedia oder commons brauchbar sein können - und man kommt immer mal wieder mit Anwohnern ins Gespräch.

In den meisten Fällen verlaufen diese Straßenunterhaltungen in überraschend freundlichem, manchmal sogar herzlichem Klima ab, in einer überwiegend von türkischstämmigen Menschen bewohnten ehemaligen Zechensiedlung konnte ich mal nur mühsam vermeiden, der wortreich geführten Einladung zum Tee folgen zu müssen - ok, mir lief schon die Zeit (und das Fotolicht) weg, aber im Nachhinein hab' ich mich einklich geärgert: Man hätte es doch machen sollen.

Seit der unsäglichen Debatte um Gurgels Streetview hat sich das Klima jedoch gewandelt, die eher unangenehmen Begegnungen haben subjektiv stark zugenommen. Gerade heute (und deshalb kommt es überraschend doch endlich mal zu einem Eintrag hier :-)) kurvte ich nach Feierabend bei schon schwindendem Licht drei, vier Gebäude ab. Während bei Station #2 der gerade den Rasen harkende Besitzer erlaubte, auch auf seinem Grundstück herumzutraben ("Der Anbau und die Garage gehören nicht dazu!") und etwas zur Geschichte des Hauses zum Besten gab ("Ich würde es heute nicht noch einmal machen..."), wurde ich ein halbes Dorf weiter weniger freundlich empfangen.

"Was fotografieren Sie da! Das dürfen Sie nicht!"

Schluck.

Ok, einklich kennt man das schon, hat ein paar freundliche Sätze parat, "Wikipedia" wirkt auch recht gut, damit ist man dann normalerweise durch, selbst bei Werkschützern meist problemlos, solange man nicht auf dem Gelände erwischt wird. *flöt*

Dieser Fall war deutlich härter, die ganze Story zu erzählen, würde aber zu weit führen. Jedenfalls wurde schnell deutlich, wie panisch und dann auch leicht agressiv Menschen reagieren, denen rechtliche Zusammenhänge unklar sind, denen niemand erklärt, was Sache ist und die sich durch reißerische Berichterstattung verrückt machen lassen.

Nun, viele Worte und eine gefühlte halbe Stunde später: "Machen Sie doch ein Foto hier von der Giebelseite, die ist soweit fertig, mit der anderen Gebäudehälfte liege ich noch mit dem Denkmalamt im Clinch, davon nichts veröffentlichen! Aber die Sache mit der Panoramafreiheit und dem Recht am Bild der eigenen Sache lese ich nach, und wenn das nicht stimmt, gibt's Ärger!"

Na also, geht doch.

Ach ja, die Zauberkarte und ein als Spickzettel mitgeführter Listenausdruck waren sehr hilfreich. Dumm war nur, daß nach dem langen Gespräch mal wieder das Licht flöten gegangen war, die Fotos mithin gerade mal dokumentarischen Zwecken genügen.